Am Anfang standen zwei Fragen
Was stärkt ein Kind? Und was lässt es träumen? Aus diesen zwei Fragen sind die Karten entstanden. Die Kräfte geben die Richtung, die Bilder öffnen die Tür.
Kräfte, die Kinder stärken
Was brauchen Kinder, um gut durchs Leben zu kommen? Nicht das, was in der Schule abgefragt wird, sondern das, was dazwischen passiert: spüren, wie es mir geht. Mich beruhigen, wenn alles zu viel ist. Freundschaften pflegen. Nein sagen. Dranbleiben, auch wenn es schwierig wird.
Diese Fähigkeiten sind gut erforscht. Ich habe mich an drei Ansätzen orientiert:
- Lebenskompetenzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zehn Fähigkeiten, die Kinder und Jugendliche stärken, darunter Selbstwahrnehmung, Empathie, der Umgang mit Gefühlen und mit Stress.
- Soziales und emotionales Lernen nach CASEL. Fünf Bereiche: sich selbst wahrnehmen, mit sich selbst umgehen, andere wahrnehmen, Beziehungen gestalten und verantwortungsvoll entscheiden.
- Charakterstärken nach Nansook Park und Christopher Peterson. Stärken wie Neugier, Dankbarkeit, Mut oder Freundlichkeit, die sich schon bei Kindern zeigen.
Diese drei Ansätze waren der Massstab. Eine Kraft kam nur ins Set, wenn sie einem Kind in seiner Entwicklung hilft.
Drei Fragen an jede Karte
Bevor eine Karte ihren Platz bekam, musste sie drei Fragen bestehen:
- Hilft diese Kraft einem Kind, gut mit sich und anderen umzugehen?
- Versteht ein Kind beim Anschauen, wofür das Tier steht, auch ohne Erklärung?
- Passt das Tier wirklich zur Kraft? Gibt es also ein Verhalten oder eine Eigenschaft, die sich nachlesen lässt, und nicht nur eine schöne Geschichte?
Für die dritte Frage habe ich bei jedem Tier nachgeschaut: bei Universitäten, Zoos, der Vogelwarte, in Lexika. Bei fast allen Tieren gibt es einen solchen Beleg. Wo nicht, erzählt die Szene im Bild, worum es geht.
Bilder, die zum Träumen einladen
Die Karten zeigen keine Alltagsszenen. Sie zeigen Welten, die es so nicht gibt: Ein Wal taucht aus einem Meer aus goldenen Wolken auf. Ein Junge steht mit einer Eule auf einer schwebenden Insel unter zwei Monden. Ein Mädchen setzt den Fuss auf einen Weg aus Sternenlicht, der sich erst beim Gehen zeigt.
Das ist Absicht. Fantastische Bilder lassen Raum. Sie geben keine Antwort vor, sondern stellen Fragen: Wohin fährt das Boot? Was flüstert die Eule? Was wartet hinter dem Licht? Dein Kind schaut hin, erzählt, spinnt weiter. Es gibt dabei kein Richtig und kein Falsch.
In solchen Bildern darf ein Kind gross denken. Es kann sich vorstellen, wer es sein möchte, wohin es will und was alles möglich ist. Träume und Visionen beginnen genau dort: in einem Bild, das grösser ist als der Alltag.
Darum sind alle Karten im gleichen Stil gemalt, mit warmem Licht, Gold und Pergament, wie Seiten aus einem alten Märchenbuch. Sie sollen sich anfühlen wie ein Ort, an den man gern zurückkehrt.
Warum ein Tier?
In jeder dieser Welten ist das Kind nicht allein. Ein Tier begleitet es. Ein Tier, das etwas vormacht, bleibt im Kopf. Es erklärt nicht, es zeigt. Ein paar Beispiele:
- Atem und der Buckelwal. Wale atmen bewusst. Jeder Atemzug ist eine Entscheidung. Genau darum geht es auf der Karte: Mein Atem ist immer bei mir, und ich kann ihn nutzen, um ruhig zu werden.
- Intuition und die Eule. Eulen finden ihre Beute über das Gehör, auch im Dunkeln. Die Karte lädt dein Kind ein, genau hinzuhören, auch nach innen.
- Mitgefühl und der Elefant. Elefanten trösten Artgenossen, die gestresst sind, mit Berührungen und leisen Lauten.
- Geduld und die Schnecke. Wenn es zu trocken ist, verschliesst die Schnecke ihr Haus und wartet, bis es wieder regnet. Geduld heisst hier: abwarten können. Nicht: langsam sein.
Auch schwierige Gefühle haben ihre Karte
Im Set gibt es Karten für Wut, für Tränen und fürs Nein-Sagen. Sie stehen gleichwertig neben Freude und Freundschaft. Dein Kind soll erleben: Alles, was ich fühle, darf da sein.
Auf der Karte Wut steht ein Bär. Bären knurren, um zu warnen, ohne anzugreifen. Die Botschaft dazu: «Ich darf wütend sein.» Bei den Grenzen ist es die Katze. Katzen sind freundlicher, wenn sie selbst bestimmen dürfen, wie viel Nähe sie wollen.
Was die Karten nicht sind
Es gibt keine guten und keine schlechten Karten. Jede ist gleich viel wert, und keine sagt etwas voraus. Die Karten sind an keine Religion gebunden.
Manche Tiere tragen in Religionen oder Sagen eine besondere Bedeutung. Diese habe ich weggelassen und mich an das gehalten, was das Tier tut. Beim Adler auf der Karte Schutz heisst das: Adlereltern decken ihre Jungen bei Kälte und Regen mit den Flügeln zu.
Zuerst das Bild, dann das Wort
Dein Kind zieht verdeckt eine Karte und schaut zuerst nur das Bild an. Was sieht es? Was macht das Kind auf der Karte, was das Tier? Wie geht die Geschichte weiter? Erst danach liest es den Namen der Kraft und schlägt im Büchlein nach. So beginnt das Gespräch bei der Fantasie deines Kindes und nicht bei einer Erklärung.